Dein Fernseher lügt ?

Hier all das, was mir beim Sehen, Hören und Lesen der geläufigen Medien an Schlampereien, Lügen und Verdrehungen begegnet. Manchmal auch das, was so schön und gelungen ist, dass man es gar nicht mehr glauben mag.

Nebenher: Das Foto zur Seite ist mir an einem Sommerabend in Freiburg begegnet.

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Eigentlich begegnen mir in unseren Medien dauernd ärgerliche, rätselhafte und schiefe Dinge: Nassforsche ReporterInnen; Kommata, wo sie nicht hingehören; unbegründete, aber desto überzeugtere Deutungen von Zusammenhängen und Ereignissen, schlampige Sprache und dergleichen mehr. Da säße ich den halben Tag an den Tasten, um es zusammenzutragen. Vielleicht einmal, wenn ich Zeit habe.

Schöne, gelungene oder lehrreiche Texte und Beiträge?

Vielleicht heute, 3. Februar 2016, in der Süddeutschen die Seite 3 über das Leben in marokkanischen Slums? Ab und an ein Text im New Yorker? Ende Januar ein SPIEGEL-Gespräch mit Navid Kermani? Nicht wirklich viel, leider.

Ganz unerträglich im Moment (Februar ’16)  mal wieder wdr 2, der so etwas wie Comedy versucht mit einem Briefträger, der prolo-rheinisch (aber zum Glück immer kurz) daherkommt. Diese auf Serie gelegten Nummern beleidigen – finde ich – Prolos ebenso wie Briefträger zutiefst. Und mir –  als Gebührenzahler und eigentlich Verteidiger der Öffentlichrechtlichen – treibt es die Fremd-Schamröte ins Gesicht.

Ebenso, dass beim Tod von David Bowie das ganze Radioprogramm gewissermaßen umgekrempelt wurde; als aber dann kurz danach elf deutsche Touristen in Istanbul  zersprengt wurden – da durfte trotzdem die Comedy-Schiene und die geplante Musik von der Festplatte laufen als wäre nichts gewesen (außer Nachrichten). So setzt man Akzente.

Was diese Radiowelle „reitet“, das ist mal genaueres Nachschauen wert. Doch dazu müsste ich länger und konzentrierter zuhören, aber das ist schon wegen der Musik (und vor allem angesichts der dauernden Wiederholung von besonders nervigen Hits) zwischen dem Geplauder kaum auszuhalten. 

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Fast schon Ende Juni, und wieder ist es wdr2-der Sender, der mich zum Schreiben treibt. Schon seit zwei, drei Wochen, aber es hat nicht früher sollen sein.

Da gibt es so etwas wie Satire oder Comedy im Moment  –  die Nummer heißt „Alexis Sorgas“ und kommt regelmäßig. Es geht dabei um den Griechen an sich und wie er – zwischen Ziegen- und sonstigem Geblöke – seinen Alltag am Rande der Staatspleite meistert. Ganz außerordentlich witzig gemacht und in keiner Weise so verhetzend wie BILD (die sich eigentlich auch DIE ZEITUNG nennen sollte).

Offenbar soll das Ganze der Erfüllung des WDR-Programmauftrages dienen, wie im WDR-Gesetz in der Fassung vom Dezember 2009, § 5, Satz 4, so beschrieben:

Der WDR soll
die internationale Verständigung, die europäische Integration, den gesellschaftlichen Zusammenhalt, ein diskriminierungsfreies Miteinander in Bund und Ländern und die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern fördern, zum Frieden und zur sozialen Gerechtigkeit mahnen, die demokratischen Freiheiten verteidigen und der Wahrheit verpflichtet sein.

Beispiel gefällig für völkerverständigendes und EU-Integration förderndes Radio?
http://www.wdr2.de/musik/audioalexissorgaszweithelikopter100-audioplayer.html

  

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2. Mai 2011

Der große Fall – Peter Handke

Vielleicht richte ich ja noch eine Abteilung ein, in der ich über die fünfzig, sechzig Bücher erzähle, die ich jedes Jahr lese. Vielleicht, vielleicht.
Bis dahin nur das, was mich gestört hat – und vorerst in dieser Sparte.

Seit den sechziger Jahren lese ich alles, was Peter Handke schreibt. Und immer (noch) mit Lust und Gewinn – wie man so schön sagt. Manchmal wünschte ich mir aber doch, dass sein Verlag jemanden drüber schauen ließe, bevor gedruckt wird.

Zwei Rätsel in diesem Buch, die ich nicht unbedingt für literarische halte:

Seite 279 (die letzte des Buchs).
Dort steht  – als Entstehungszeit?
Great Falls, Montana, Juli-September 2011
Ein Buch aus der Zukunft? Jetzt, heute, eigentlich noch nicht und nicht geschrieben?

Und vorher, Seite 161, kommt „eine Rotte von Halbwüchsigen, mit Blicken, die auf Böses aus schienen, Stöcke schwingend…“
Ein paar Zeilen später:
„Die Stöcke, welche die Jugendlichen durch die Stille pfeifen ließen, waren Basketballschläger, nachrichtenweise bekannt als Totschlagsinstrumente, aber sie hatten, das zeigte sich erst auf den zweiten Blick, auch die zugehörigen Fanghandschuhe und Bälle dabei.“
Ich finde ja, dass Literatur alles darf, auch mit Bedacht verwirren.
Aber Basketballschläger? Ein neues Spiel? Sowas wie Würfelschach?

Frau Unseld-Berkewicz, mal ehrlich, zuviel mit den Nachwehen des Umzugs zu tun?

Als Fußnote:
Dass eine Erstausgabe eines doch etwas bekannteren deutschsprachigen Autors in einem doch etwas bekannteren deutschen Verlag zu einem nicht gerade unstolzen Preis geklebt daher kommt wie ein Taschenbuch, mit der Pappe drum herum aber ein richtiges Buch vortäuscht (das allerdings fadengeheftet sein sollte)…  Alles zuviel verlangt inzwischen?
Eher überflüssige Frage, denn der Weg geht überall hin zur Klebebindung. Dazu irgendwann mehr.


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März 2011, WDR2

Da geht es im Mittagsmagazin des „WDR2/Der Sender“ um Fukushima – ganz am Anfang der ja immer noch strahlenden Katastrophe; und die Moderatorin hat einen deutschen Japanologen im Gespräch, der an einer Stelle beginnen will, das japanische Mediensystem zu beschreiben. Um zu erklären, dass die Japaner nicht etwa übergroße Stoiker angesichts der Geschehnisse sind. Sondern dass sie durch ihre Medien relativ wenig erfahren, wenn das von „höherer Warte“ aus so gewünscht oder gewollt ist.  Die Moderatorin – die ja im Mediengeschäft tätig ist – dreht schnell ab und zurück zu dem, aus ihrer Sicht, eigentlichen Thema.
Zu schlecht bezahlt für Neugier, Interesse, Hintergrund – die Dame?

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Schon länger her…

Die Weisheit einer Sternschnuppeninszenierung

Manchmal soll man ja auch loben. Das baut auf, fördert, spornt an. Und genau das haben die Öffentlichrechtlichen ja viel  nötiger als zum Beispiel mehr Gebühren.
Also:
Ein paar Monate (vielleicht Jahre?) her in einer Degeto-Produktion, wahrscheinlich ein lauschiger Freitagabend – im Halbschlaf vor dem Gerät verbracht. Da wird eine Sternschnuppe ins säuselnde Geschehen eingebaut. Aber wie macht man das? Einfach den Himmel zeigen, warten, bis diese Schnuppe aufleuchtet und dann vielleicht ein „Aaaaah…“ aus dem Off?
Nein, das wäre großes Kino, nicht Freitagabend-ARDegeto.

Dort ging das so:
Zwei plaudern miteinander in dieser – auch im Sessel vor der Schirm – so spürbar lauen Nacht. Dann wird gesagt: „Schau, eine Sternschuppe!“ und ein Arm, ein Finger gen Himmel gerichtet.
Dann der Schnitt auf den Horizont samt Himmel drüber.
Erst dann beginnt die Sternschuppe zu leuchten und schon ist sie auch vergangen – wie Sternschnuppen das so tun.
Präkognition?  Telekinese? Zeit-Verwerfungen am Freitagabend?
Oder vielleicht doch eher Idiotie?
Ach was. Das war ganz einfach didaktisch perfekt. Man muss ja wissen, was man als nächstes sehen wird. Fern-Sehen heißt die Veranstaltung aus guten Gründen – eine Schule des Sehens für das, was man persönlich sonst nie sähe oder sehen könnte. Und da Zuschauerinnen und Zuschauer auch noch zu binden sind, muss man sie langsam heranführen an Phänomene, die am Freitagabend nicht alltäglich sind.

Einschub: Vielleicht die Querverbindung zum Schrei des Kauzes (siehe noch weiter unten): Der Kauz erklärt sich selbst durch seinen Ton. Die Sternschnuppe jedoch?
Was also tun? Sternschnuppe mit Ansage, wie sonst. 

Darin steckt ja ein tiefes, auch mit allen Werkzeugen der Philosophie kaum zu bearbeitendes Problem. Jeder, der Sternschnuppen sehen möchte am Nachthimmel, kennt es: Man schaut, aber da ist nichts, kommt nichts, leuchtet nichts. Die Augen werden schon ganz starr, das Blickfeld löst sich in schillernde Ringe auf; und die gesammelten Wünsche (genug für mindestens vier Sternschnuppen) vertrocknen in der Hand. Und kaum schaut man nicht, dann ist da so ein Biest im Augenwinkel durchgewischt.

Also: Optimal gemacht diesmal. Ging gar nichts anders. Weiter so.

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